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Exkursionen 2008
und 2010

Fossile Schätze aus dem Jurameer

Am Samstag, dem 24. April 2010, hatte der Paläontologischen Arbeitskreis Bünde zu seiner ersten Familienexkursion eingeladen. Bei sonnigem Frühlingswetter war das Ziel ein Steinbruch im Wiehengebirge, in dem Gesteinsschichten aus der Jura-Zeit zu Tage treten. Auf dem Bild rechts sind Sarah und Finn auf de Suche nach versteinerten Muscheln.

„In der Zeit des Mittleren Jura, vor ungefähr 160 Millionen Jahren erstreckte sich hier ein Meer. Im Laufe der Erdgeschichte wurde aus den Ablagerungen des Meeresbodens Tonstein. Anschließend hoben sich durch tektonische Prozesse die Gesteinsschichten des Wiehengebirges an und besitzen heute eine Neigung von 25°,“ erklärte Dr. Achim Hildebrand vom Paläontologischen Arbeitskreis den mehr als  60 Teilnehmerinnen und Teilnehmern zu Beginn der Exkursion die Grundlagen der hier anstehenden Gesteine. Anhand von Modellen erläuterte er dann den Exkursionsteilnehmern die Tierwelt des Jurameeres.

Danach machten sich alle auf einem Hang im dort anstehenden Tongestein selbst auf die Suche nach den versteinerten Überresten längst ausgestorbener Lebewesen. 

Überall hörte man bald Hämmern und schon nach kurzer Zeit wurden die Ersten fündig. An einer Stelle gruben die Teilnehmer eine Gesteinsplatte mit versteinerten Muscheln aus. Etwas weiter wurde ein Ammonit aus dem Stein gemeißelt, ein ausgestorbener Verwandter unserer heutigen Tintenfische. Wilhelm Brandhorst, Michael Kaiser und Dr. Achim Hildebrand vom Paläontologischen Arbeitskreis hatten alle Hände voll zu tun, die geborgenen Schätze zu bestimmen und Erläuterungen zur Nachpräparation und Aufbewahrung zu geben.

Einen Hai-Zahn entdeckt man nicht alle Tage ...

Ein besonderer Fund gelang dann gegen Ende der Exkursion. Beim Suchen im losen Gesteinsschutt fand ein Exkursionsteilnehmer einen Hai-Zahn (Foto links). „Ein solches Fossil entdeckt man nicht alle Tage“, kommentierte Wilhelm Brandhorst, der selbst mehr als vierzig Jahre hier nach Fossilien sucht. 

Sehr zufrieden mit den gefundenen Schätzen trugen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer gut verpackt ihre Stücke in Rucksäcken und Taschen zum Auto. Dabei wurde für manchen der Weg zurück auf Grund der Fülle der Funde deutlich beschwerlicher, als der Hinweg. 

„Eine so große Teilnehmerzahl hatten wir noch bei keiner Exkursion in den vergangenen Jahren“, freute sich Dr. Achim Hildebrand vom Paläontologischen Arbeitskreis. „Dies zeigt, wie groß das Interesse vor allem bei Kindern für Geologie und Paläontologie ist.“

In diesem Jahr werden im Sommer und Herbst noch weitere Exkursionen zu anderen Fundstellen erfolgen. Die nächste Exkursion ist für den 10. Juli geplant. Nähere Informationen finden Sie auf dieser Homepage im "Terminkalender".

(Bericht von Dr. Achim Hildebrand)


Schatzsuche im Jurameer

Familien entdecken im Wiehengebirge uralte Fossilien

Bericht der NW Bünde am 16.10.08 (Fotos: privat)

Das heutige Wiehengebirge vor 160 Millionen Jahren: Ein Ammonit, ein Kopffüßer, schwimmt langsam durch das lichtdurchflutete Jurameer. Er ist auf der Jagd nach kleineren Meerestieren. Dabei bemerkt er nicht den Schatten, der sich von hinten nähert.

Plötzlich schließen sich Kiefer mit kleinen scharfen Zähnen um das Tier. Die Schale hält dem Druck nicht stand und zerbricht. Der Angreifer ist ein 3 Meter langer Ichthyosaurier, ein Meeresreptil mit der Gestalt eines Delphins. Er hat nach wenigen Sekunden den Ammonit verspeist. Der größte Teil der Ammonitenschale ist beim Angriff des Ichthyosauriers heil geblieben und sinkt nun auf den Meeresgrund. Dort wird er schnell von Sand und Schlamm bedeckt. Im Verlauf unzähliger Jahre wird aus der Schale durch komplizierte chemische Prozesse eine Versteinerung, die im umgebenden Ton erhalten bleibt.

160 Millionen Jahre später: Samstag, der 11. Oktober 2008. Der achtjährige Finn und die neunjährige Jette machen sich zusammen mit 23 anderen Kindern und ihren Eltern auf den Weg zu einem Steinbruch im Wiehengebirge. Organisiert wurde diese Familienexkursion vom Paläontologischen Arbeitskreis Bünde.

Die Gesteinsschichten des Wiehengebirges liegen nicht eben, sondern sind durch salztektonische und plattentektonische Prozesse hochgehoben worden und besitzen eine Neigung von 25°. Auf diesem Hang suchen die Exkursionsteilnehmer bei herrlichem Herbstwetter nach den versteinerten Zeugen der Vergangenheit. Schon nach kurzer Zeit ist Finn fündig geworden. Er hat zwischen den losen Steinen auf der Schichtfläche ein Fossil entdeckt: Der versteinerte Ammonit. Gemeinsam mit Jette arbeitet er 15 Minuten mit Hammer und Meißel. Dann haben die beiden ihren Fund freigelegt und zeigen ihn stolz Wilhelm Brandhorst vom Paläontologischen Arbeitskreis. Der Experte kann ihn schnell bestimmen. Es handelt sich um einen Ammoniten der Gattung Erymnoceras. Neben den Ammoniten wurden am Samstag auch zahlreiche versteinerte Muscheln, Austern und Belemniten, eine andere Gattung Kopffüßer, die im Gegensatz zu den Ammoniten ein langgestrecktes Gehäuse besaßen, gefunden. Am Nachmittag trugen alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer ihre geborgenen Schätze in Rucksäcken und Taschen nach Hause.

„Unsere Region bietet eine Vielzahl interessanter Fossilienfundstätten aus dem Jurazeitalter vor 200 bis 145 Millionen Jahren mit Funden, die man unter anderem im Bünder Dobergmuseum bestaunen kann. So haben die Saurierfährten in Obernkirchen erst kürzlich durch den Bericht in Günter Jauchs Sendung Stern TV „überregionale Aufmerksamkeit erlangt“ so Dr. Achim Hildebrand vom Arbeitskreis. Auch in diesem Steinbruch fand Wilhelm Brandhorst zahlreiche Fährten unterschiedlicher Saurierarten. Diese werden zum Teil noch an der Universität Münster wissenschaftlich untersucht.

„Die hohe Teilnehmerzahl zeigt das große Interesse für die Geologie“ kommentiert Dr. Rainer Ebel, Leiter des Paläontologischen Arbeitskreises: „Auch im kommenden Jahr wollen wir deshalb wieder Exkursionen in die nähere und weitere Umgebung von Bünde organisieren.“ Die Termine können dem Jahresprogramm entnommen werden, das im Dobergmuseum ausliegt, sowie der örtlichen Presse.

(Neue Westfälische Bünder Tageblatt, Donnerstag 16. Oktober 2008)


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