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Der Doberg -
eine Reise der besonderen Art

Der Doberg - eine Reise der besonderen Art

Wie aus einer Mergelgrube ein Naturdenkmal wurde

(aus: "Expedition Doberg", Herausgegeben 2005 vom Kreisheimatverein Herford e. V.)

Im Süden der Stadt Bünde liegt ein eigentümlicher Hügel. Ganz anders als seine Umgebung besteht er aus Sand-, Kalk-, Ton- und Mergelsteinen. Weil dieses Material die Bodenfruchtbarkeit verbessert, wrude bis weit ins 20. Jahrhundert hinein kalkhaltiger Mergelstein abgebaut und auf die Felder der Umgebung gestreut. Dabei tauchten immer wieder Fossilien auf: Muscheln, Seeigel und andere wirbellose Tiere waren häufig. Irgendwann begannen die Geologen, sich für den Doberg zu interessieren; erste ausführliche Beschreibungen der Fossilfunde stammen au sden 30er Jahren des 19. Jahrhunderts.

1911 wurde der Überrest eines Meeressäugers geborgen: Der Schädel eines Zahnwales machte in der Fachwelt Furore. Ein Jahr später stieß ein Mergelgrubenarbeiter auf Skelettreste einer Seekuh. Neben diesen spektakulären Funden konnten auch Haie und Meeresschildkröten nachgewiesen werden.

Offensichtlich waren die Gesteine des Dobergs als Ablagerungen am Grund eines Meeres entstanden. Wie sonst sollten Meerestiere in diesen Berg gekommen sein? Schon früh stellten Geologen bei sorgfältigen Vergleichen fest, dass die Gesteinsschichten des Dobergs auffallende Ähnlichkeiten mit Formationen in der Nähe von Osnabrück, Lemgo und Nieheim aufwiesen. Das konnte kein Zufall sein; die Wissenschaftler deuteten dies als ehemals geschlossenes Vorkommen. Miteinander verbunden weisen sie auf den Verlauf eines Abschnittes der früheren Nordseeküste hin. Den Küstenabschnitt nannten sie "Kasseler Bucht".

So wurde der Doberg zum Forschungsobjekt. Es stellte sich die Frage, wieso ausgerechnet hier Reste weit zurückliegender Zeiten erhalten waren. Die Erklärung: Die Schichten des Dobergs sind wie in einer Mulde eingesenkt. Anders als seine Umgebung waren die Gesteine vor dem Verwittern und Abtragen durch Wasser und Wind geschützt.

Durch Vergleiche der Fossilien mit Funden aus anderen Herkunftsgebieten und physikalische Messungen konnte ihr Alter bestimmt werden. Vom ältesten bis zum jüngsten Objekt reicht die Zeitspanne über 1,34 Millionen Jahre. Die tiefsten und damit auch ältesten Gesteinsschichten sind 38 Mio. Jahre alt, die jüngsten 24,6 Mio. Die Geologen bezeichnen diesen Abschnitt der Erdgeschichte als "Oligozän" und unterteilen ihn noch in das untere und damit ältere sowie das obere, also jüngere Oligozän. Für diese Unterteilung ist der Doberg nützlich. Nirgendwo sonst auf der Welt sind die Schichtenfolgen es Oligozäns so vollständig und gut erhalten wie hier - soweit man bis heute weiß.

Die Geologen der Welt einigten sich daher 1971 bei einer Zusammenkunft in Bünde darauf, den Doberg als das Muster für die Schichtenfolge des oberen Oligozäns, als "Stratotypus" zu betrachten.

Die Folgen für den Doberg: Er ist jetzt berühmt, steht als Bodendenkmal unter Schutz und hat ein eigenes Museum bekommen.